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Präsentation neuester Forschungsergebnisse

Der Ludwig Boltzmann Cluster trägt zur Klassifikation der Neoplastischen Stammzellen bei

Wie entsteht Krebs und wie entwickeln sich Krebsstammzellen? Diese Fragen stellt man seit geraumer Zeit, ohne befriedigende Antworten zu finden. Im Allgemeinen nimmt man an, dass die Krebsentstehung ein langwieriger, schrittweiser, von vielen Faktoren gesteuerter Prozess ist. Die Krebsstammzellen gelten dabei als primäres Übel und Wurzel des malignen Geschehens. Die Definition der Krebsstammzellen und ihrer Vorläufer, welche sich schrittweise durch mehr und mehr Genabberationen aus normalen Stammzellen in zunächst prämaligne und schließlich komplett maligne Stammzellen (echte Krebsstammzellen) entwickeln, ist ein vieldiskutiertes Thema. Auch in Wien beschäftigen sich diverse Forschergruppen mit der Evolution der Krebsstammzellen. Der Vienna Cancer Stem Cell Club (VCSCC) und der Ludwig Boltzmann Cluster Oncology um Professor Dr. Peter Valent (Medizinische Universität Wien, Klinik für Medizin I) beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dieser Thematik.

 

Ein zentrales Thema im LB-CO ist es, wirksame Medikamente und Therapien zu entwickeln, welche die Krebsstammzellen nachhaltig hemmen oder komplett vernichten. Im Jahre 2011 organisierte der VCSCC unter der Federführung von Professor Valent eine Arbeits-Konferenz (Year 2011 Working Conference on Cancer Stem Cells) zu diesem Themenbereich in Wien, an der auch zahlreicher Vertreter des LB-CO teilgenommen haben. Die daraus resultierenden Empfehlungen zur Definition und Klassifikation der neoplastischen Stammzellen erscheinen in der rezenten Ausgabe des Fachjournals ´Nature Reviews Cancer´ vom 11. Oktober 2012. Mit der Klassifikation der neoplastischen Stammzellen krönt der VCSCC auch sein 10-jähriges Bestehen, welches am 5. Oktober 2012 in der Gesellschaft der Ärzte (Frankgasse 8 - Billrothhaus) mit einem Fest-Symposium gefeiert wurde.

 

Die Biologie der Krebsstammzellen und die Mechanismen und Faktoren, welche ihre Entstehung aus normalen Gewebszellen bewirken oder begünstigen, sind viel komplexer als zunächst angenommen. Dementsprechend schwierig war es auch, eine allgemein gültige und anwendbare Definition und Klassifikation der Krebsstammzellen zu erarbeiten. Letztlich unterscheiden sich die Stammzell-Arten durch eine unterschiedliche proliferative Kapazität und eine unterschiedliche Fähigkeit, prämaligne, wenig maligne (indolente) oder hochmaligne (aggressive, invasive) Neoplasien zu produzieren. Ein wichtiger Teilaspekt ist dabei, dass sich über die Zeit (oft viele Jahre) aus prämalignen neoplastischen Stammzellen auch maligne Krebsstammzellen entwickeln können. Die Mechanismen, welcher dieser Stammzell-Evolution zugrunde liegen sind derzeit allerdings noch nicht bekannt. Die entsprechenden (zumeist genom-umfassenden) Projekte sind allerdings vielversprechend und werden zu einem besseren Verständnis der Krebs- und Leukämie-Entwicklung beitragen. Das ultimative Ziel bleibt es dabei, Krebsstammzellen und wenn möglich auch deren prämaligne Vorläufer in den diversen Neoplasien nachhaltig zu zerstören.